Von der schlesischen zur Badischen Metzger-Tradition

Eine Firmen- und Familienchronik

Von Karl-Heinz Klettke

Vorwort

Die bestehende Ortschronik der damals noch selbstständigen Gemeinde Haagen endet 1965. Seither gibt es keine Fortschreibung der Chronik. Es ist zwar der schöne Bildband „Liebenswertes Haagen“ und eine Ergänzung über die Segelfliegerei in Haagen erschienen, doch sonst gab es kaum Veröffentlichungen. Nun aber haben, auf Anregung der Ortsvorsteherin lnge Gula, einige Bürger mit der Sammlung von Dokumenten begonnen. Die jüngste Vergangenheit darf nicht in Vergessenheit geraten.

Die Strukturveränderungen unserer Gesellschaft haben vor unserem Ortsteil nicht haltgemacht. Der gewaltige bauliche, wirtschaftliche und gesellschaftliche Wandel sollte aber auch für Haagen dokumentiert werden.

Durch die Arbeit an der Firmenchronik des ehemaligen Versandhauses Schöpflin ist in mir die Neugier für andere Firmen im Ortsteil erwacht. Bei der Sichtung der mir zur Verfügung gestellten Daten und Unterlagen sind gleichzeitig Beweise und lange unbeachtete Schilderungen von Kriegsschicksalen wieder lebendig geworden.

Dafür gilt mein Dank Frau Marianne Büche-Bachmann und den Herren Jürgen Bachmann und Dirk Bachmann. Besonders bedanken möchte ich mich aber auch bei der Ortsverwaltung und der Ortsvorsteherin lnge Gula für die Unterstützung dieses Vorhabens.

März 2003 Karl-Heinz Klettke

 

 

„Die Bachmanns“

Das Vorhaben, die Geschichte der Metzgerei Bachmann in Haagen aufzuschreiben, löste schon gleich bei den ersten Recherchen dazu ziemliche Überraschungen aus. Die Vergangenheit dieser Metzgerfamilie reicht viel weiter zurück, als zunächst angenommen. Anstatt mit Fritz Bachmann zu beginnen, der 1953 die Metzgerei Nieth in der damals noch selbstständigen Gemeinde Haagen übernommen hatte, muss man, wenn man der Historie gerecht sein will,

zeitlich viel weiter zurückgehen. Fritz Bachmann ist nicht die erste Metzger-Generation in der Familie, sondern gehört bereits in die sechste. Es gibt eine „Copia“ vom 30. Marty 1749, dar- in „insiegelt“ in einer „Jurisdiction Andreas Wilhelm Freiherr von Chreufeldt“ dem Ü„Johann Christoph Bachmann, geboren am 16.11.1731 das „publicierende Patent, sich in „Zünften, Innungen und anderen ehrbaren Gesellschaffen“ bewegen zu dürfen. Über den Generationen eins bis vier liegt aber sonst noch weitestgehend das Dunkel der Vergangenheit.

Über die Generation fünf ist zunächst nur ein Satz in den handschriftlichen Aufzeichnungen der 1998 verstorbenen Grete Bachmann, geborene Kießler, zu finden. Sie schreibt in einem Brief, in dem es wohl um die Anerkennung von Rentenanrechnungszeiten geht, wörtlich:

„… und habe am 29.12.1935 geheiratet. Wir führten das Metzgereigeschäft, welches mein Mann von Seinen Eltern übernahm 5 Jahre, bis mein Mann 1940 zur Wehrmacht musste. 1 Jahr führte ich es mit meinem Schwiegervater (Red.: Name ist Maximilian, aber hier nicht erwähnt) noch weiter, als aber der Geselle auch zur Wehrmacht eingezogen wurde, musste ich das Geschäft schließen (…). Da ich zwei kleine Kinder hatte, wurde ich zum Landarbeitseinsatz halbtags angefordert.“

Soweit dieser Teil der persönlichen Aufzeichnungen.

 

Der Vater von Fritz Bachmann hieß Maximilian Bachmann, wurde nur Max genannt und war vermutlich 1870 geboren worden. Nach Auskunft von Marianne Büche-Bachmann ist er im Februar 1946, zur Zeit der Übernahme dieses Gebietes durch die Polen, nach Misshandlungen durch einen Polen an inneren Blutungen 76-jährig gestorben.

Diese Chronik kann sich also nur auf die drei Generationen beziehen, die auch für die Haagener Ortschronik Bedeutung haben, nämlich für die Zeit von 1953 bis 2003 – also 50 Jahre Metzgerei Bachmann in Haagen, dem Ortsteil von Lörrach, der durch einen Einigungsvertrag im Jahre 1974 freiwillig zur neuen Stadt Lörrach kam.

Fritz Bachmann (1909-1985)

Der Begründer der Haagener Tradition ist Fritz Bachmann. Er wurde als Metzger-Sohn 1909 in Lähn, Kreis Löwenberg in Niederschlesien — das ist etwa 50 Kilometer östlich von Görlitz — geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums am Geburtsort lernte er das Handwerk seiner Väter. Er bildete sich beruflich in Berlin weiter und übernahm dann als 26-jähriger Metzgermeister den elterlichen Betrieb. Das war auch das Jahr, in dem er Grete Kießler (siehe vorherige Seite) heiratete.

Wie viele seines Alters, wurde auch er schon 1940 zur Wehrmacht eingezogen, obwohl er ein Geschäft betrieb, das zur Versorgung der „VoIksgenossen“, wie es damals hieß, wichtig war. Der 2.Weltkrieg bescherte ihm Fronteinsätze in Russland und Frankreich — und dazu auch noch die Kriegsgefangenschaft bis März 1948. lnzwischen war seine Heimat zunächst in den

Händen der sowjetischen MiIitärverwaltung. Seine Frau und die Kinder waren dort verblieben. Die Aufzeichnungen seiner Frau belegen in erschütternder Weise, welchen Bedingungen die Deutschen dort und später unter polnischer Verwaltung ausgesetzt waren.

Hier dazu ein weiterer Ausschnitt aus den handschriftlichen Aufzeichnungen von Grete Bachmann:

„1945 nach der Kapitulation musste ich wie alle anderen Frauen der Stadt von früh um 6 Uhr bis abends 6 Uhr beim Russen arbeiten. Alle Trümmer von den Brückensprengungen und eingefallenen Häusern mussten wir aufräumen helfen. Dann kam in der ganzen Umgebung die Ernte dran, bis alles ausgedroschen war. Als der Pole besetzte, ging es genau so weiter. Tag für Tag Häuser saubermachen, Kartoffeln verladen, Aschegruben ausfahren, die Straßen der Stadt fegen, sogar das Flussbett des Bobers mussten wir ausbessern. Das ging jeden Tag so, sogar geschlagen wurden wir. Essen bekamen wir keins, und auch kein Pfennig Geld. Meine Eltern u. Schwester, welche Landwirtschaft noch besaßen, haben uns etwas mit Lebensmittel versorgt, es war ein trauriges Los mit 2 kleinen Kindern. lm März, das Datum weiß ich nicht mehr genau, beschlagnahmten die Polen meine Wohnung, ich musste binnen 10 Minuten das Haus verlassen, alles stehen und liegen lassen, und kam in eine ausgeplünderte Wohnung. Nach 4 Wochen schmiss man mich dort wieder raus, und ich kam mit noch ungefähr 30 anderen Familien in ein Lager, es war früher Pädagogium. Bis 10. Juli 1946 mussten wir im Massenlager bleiben, wurden aber alle Tage mit Aufsicht zur Arbeit geholt, ohne jegliche Bezahlung. Am 10 Juli wurden wir ausgewiesen. lm Lager Plagwitz war das erste Durchgangslager. Am 18. Juli kamen wir nach Hameln ins Lager, wo wir dann alle Familien verteilt wurden. Ich kam nach Oldendorf in ein leeres Zimmer wo ich in einer Mühle Stunden arbeitete, da sonst keine (Arbeit) möglich war. Vom Staat bekam ich im Monat 64 Mark Unterstützung. 1948 am 18. März kam mein Mann aus der Gefangenschaft. Er musste im Steinbruch arbeiten, da keine andere Möglichkeit war.“

Soweit die Ausführungen der „G. Bachmann“. Diese eindrucksvolle Schilderung ist hier wörtlich zitiert, weil das auch ein Teil der Kindheit des Jürgen Bachmann ist. Er hat das als Junge zwischen acht und elf Jahren selbst noch in lebhafter Erinnerung.

Zurück zum Vater Fritz Bachmann: Er ist, wie die obige Schilderung zeigt, auch Vertriebener — nicht Flüchtling. Im Rahmen der Familienzusammenführung kam die ganze Familie im Jahre 1949 nach Hesselbach bei Oberkirch in der Ortenau. Hier fand er, wie seine Frau, nur Arbeit im Flussspatwerk des Schwagers Hans Grimmig. Von dort aus unternahm man, in immer größeren Spiralen, Fahrten auf der Suche nach einer Metzgerei um wieder selbstständig zu sein. In Haagen/Baden wurde man fündig. Fritz Bachmann übernahm im März 1953 als Pächter die Metzgerei von Karl Nieth in der heutigen Röttler Straße Nummer 5. Damals hieß diese Straße noch Tumringer Straße. Das Haus gibt es immer noch‚ doch heute sind die Geschäftsräume zu Wohnräumen umgebaut. lm Bildband „Liebenswertes Haagen“ sind auf Seite 83 Fotos des Geschäftes aus den zwanziger Jahren zu sehen ist, als die Metzgerei noch Wilhelm Nieth gehörte.

Es folgten schwere Aufbaujahre, denn Bachmanns waren nicht die einzigen Metzger im damals noch kleineren Haagen. Andererseits gab es auch noch keine Supermärkte mit Frischfleischabteilungen in erreichbarer Nähe, die preisaggressiv dem Handwerk das Leben schwermachen. Es kommt hinzu, dass unsere Gesellschaft damals noch nicht so mobil war wie heute. Doch als Neubürger wurden sie nicht gerade mit sehr offenen Armen in Haagen empfangen. Es gab sogar Stimmen, die sagten den Bachmanns nur eine kurze Anwesenheit im Ort voraus. „Die fresse kei Sack Salz bi uns“, hörte man an den Stammtischen. Auch war es nicht so leicht, einen Kredit für ein Auto und einen Viehanhänger zu bekommen. Die Bedingungen waren extrem hart.

Fritz Bachmann führte seine Metzgerei mit seiner Ehefrau und den beiden Kindern Marianne und Jürgen zusammen jedoch erfolgreich bis 1967, also 14 Jahre lang. Weil der Sohn Jürgen, inzwischen selbst Meister geworden, schräg gegenüber, an der Ecke Röttler- / Manzentalstraße ein Wohn- und Geschäftshaus für seine Metzgerei baute, gaben Fritz und Grete Bachmann im März 1967, nach Fertigstellung des neuen „Metzgerei Bachmann Standortes“, ihr Geschäft auf und die Kundschaft an den Sohn weiter. Dort haben aber beide noch mitgearbeitet. Weiter gab Fritz Bachmann auch sein Knowhow und manche Rezeptur. Damit sind nicht nur Würzmischungen für die Wurst gemeint, sondern auch Ratschläge, wie man mit der Kundschaft und dem Fleisch umgeht. Einen Teil seiner knappen Freizeit widmete er dem Weidmannswerk. Ein begeisterter Jäger war er und er liebte die Natur, in die er sich an den Wochenenden zurückzog. Seit 1925 war er geprüfter Jäger – schon damals in Schlesien. Nach den damaligen Gesetzen war das in jugendlichem Alter möglich. In der Heimat hatte er auch schon seine eigene Jagd gepachtet. Bei Fröhnd war er wieder Jagdpächter – so wie sein Sohn Jürgen nach ihm.

Die Jagdbeute, die eigene und die von Jagdfreunden, landete oft auf der Angebotspalette in seiner Metzgerei.

Am 1. August 1985 ist Fritz Bachmann 76-jährig verstorben.

 

Jürgen Bachmann (geb. 1937)

Über seine Geburt 1937 und die Kindheitsjahre unter sowjetischer und polnischer Verwaltung in Niederschlesien haben wir schon kurz in der Einleitung berichtet. Kinder in dem Alter nehmen die Sorgen und Nöte der Mütter nicht so intensiv mit ins Leben wie ältere Menschen. Trotzdem hat diese Zeit die schulische Ausbildung beeinflusst. 1943 wurde er noch zur deutschen Zeit eingeschult. ln der Besatzungszeit gab es nur gelegentlich Schulunterricht, und in Oldendorf ging er in eine Zwergschule. Häufiger Schulwechsel, besonders in der Grundschulzeit, ist nicht geeignet, die Lernbereitschaft eines Schülers zu fördern. Dass Jürgen

Bachmann trotz dieser nicht sehr günstigen Bedingungen in Hesselbach den Rest Grundschule machte und in Oberkirch die Realschule abschloss, spricht für die Zielstrebigkeit des Jungen.

 

Seine Metzgerlehre begann er 1951 bei der Metzgerei lhling in Oberkirch. Nach zwei Jahren zog die Familie von der Ortenau nach Haagen ins Wiesental, und Jürgen Bachmann ging mit. Er machte 1953 beim Vater, in der neu gepachteten Metzgerei, sein drittes Lehrjahr und legte die Gesellenprüfung ab. Zehn Jahre später begann er in Landshut/Bayern die Meisterschule für das Metzger-Handwerk und erwarb den Meisterbrief. Sein Streben galt einer eigenen Metzgerei In der Röttler Straße, Ecke Manzentalstraße, baute er ein dreistöckiges Wohn- und

Geschäftshaus. Das Erdgeschoss wurde Verkaufsraum und Produktionsstätte. Dazu gehören auch Kühlräume und Sozialeinrichtungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Ladengeschäft hat nicht nur eine moderne Bedienungstheke für Fleisch und Fleischwaren, sondern bietet auch Lebensmittel, Obst und Gemüse und ein schmales Angebot von Artikeln des täglichen Bedarfs an. In den oberen Etagen sind Wohnungen. Von 1967 bis 1999 ist er alleiniger Inhaber dieser Metzgerei. Seit 1965 ist er in zweiter Ehe mit Dorle Bachmann, geborene Bürglin verheiratet. Außer Tochter Anita stammt auch der aktuelle Geschäftsinhaber Dirk Bachmann aus dieser Ehe.

Der Zeitpunkt seiner Firmenübernahme war nicht besonders günstig. In dieser Zeit begannen die Supermärkte auf der „Grünen Wiese“ oder in den Untergeschossen großer Kaufhäuser mit dem Verkauf von Frischfleisch und frischen Wurstwaren. Es wuchs eine Konkurrenz heran, die den handwerklich geführten Unternehmen das Leben schwer macht, weil preisaggressiv und sogar mit subventionierten Verkaufspreisen um Kundschaft geworben wird.

Jürgen Bachmann ist viele Jahre Mitglied im Prüfungsausschuss der Metzger—Innung in Lörrach. Sehr aktiv wirkt er im Turnverein Haagen mit. Er ist außerdem Mitglied in vielen anderen Vereinen des’ Ortsteiles, inzwischen sogar meistens Ehrenmitglied. Von seinem Vater hat er nicht nur den Beruf übernommen, sondern auch die Liebe zum Weidwerk. Auch die Jagd in Fröhnd hat er von seinem Vater übernommen. Zusätzlich liebt er den Angelsport und ist Sportfischer. Das ist die Liebe zur Natur — wie bei seinem Vater. Noch zu Berufszeiten, aber besonders nachdem er sein Geschäft dem Sohn übergeben hat, bewirtschaftet er rund 450 Obstbäume in der Gemeinde Wittlingen. Nach 32 Jahren als selbstständiger Metzger übergibt er am 1. Januar 2000 sein Geschäft seinem Sohn Dirk. Aber das bedeutet noch keinen Abschied vom Beruf. Noch heute hilft er oft an der Fleischbank im Geschäft aus. Und die Stammkunden wissen seine Empfehlungen genauso zu schätzen wie die Metzger seinen Rat. Auch Seniorchefin Dorle Bachmann hilft nicht nur im Verkauf, sondern auch bei der Zubereitung von Kalten Platten und ähnlichen Kundenaufträgen. Jetzt haben aber beide doch etwas mehr Zeit für die Hobbys.

 

Es folgt nun die Beschreibung der 8. Bachmann-Generation, der vorerst letzten.

Dirk Bachmann (geboren 1971)

Der achte Spross der Metzger-Dynastie Bachmann ist im April 1971 in Lörrach geboren. Er besuchte zunächst von 1977 bis 1981 die Haagener Schlossberg-Grundschule. Dann ging es sechs Jahre nach Lörrach in die Theodor-Heuss-Realschule. Sofort nach dem Schulende begann er 1987 seine Metzger—Lehre – inzwischen heißt das Ausbildung und die Lehrlinge

heißen nicht mehr Stifte, sondern Azubis – bei der damals äußerst angesehenen Metzgerei von Hans-Peter Engel in Lörrach—Stetten. 1990 legte er mit Erfolg die Gesellenprüfung ab. Danach arbeitete er im Betrieb seines Vaters, dort, wo er heute Chef ist. Von April 1992 bis Juni 1993 leistete er seinen staatlichen Zivildienst in einem Altenheim in München—Bogenhausen ab. In der Fleischerschule in Landshut belegte er im Herbst 1993, wie sein Vater, den Meisterkurs und legt die Meisterprüfung mit Auszeichnung ab. Das ganze Jahr 1995 ist für ihn nochmals ein starkes berufliches Erfahrungsjahr. Beim renommierten Feinkostgeschäft Käfer in der Münchener Prinzregentenstraße arbeitet er ein Jahr als Verkaufsmetzger. Danach kehrt er in den elterlichen Betrieb zurück und bereitet sich auf die Übernahme des Haagener Geschäftes vor.

Am 1. Januar 2000 ist es soweit. Sein Vater Jürgen Bachmann überschreibt dem Sohn das bestens eingeführte Geschäft. Seither engagiert er sich auch im „th“ — Treffpunkt Haagen. Er ist 2. Vorsitzender des Vereins für Gewerbetreibende, Dienstleister und Selbstständige. Hier wirkt er auch aktiv an den Sonderveranstaltungen, wie den „Haagener Leistungsschauen“ mit. Die Bedingungen haben sich in Haagen inzwischen gewaltig geändert. Eine zweite Metzgerei, wie früher, gibt es im Ortsteil nicht mehr. Auch ein Supermarkt mit Frischfleischabteilung, wie ihn seit 1967 das Schöpflin-, später das Quelle—Kaufhaus und noch später Tengelmann betrieb, besteht nicht mehr. Ein kleines ausländisches Angebot wird dagegen von den Stammkunden wenig genutzt und schadet dem Hause Bachmann kaum.

Trotzdem ist das Geschäft nicht einfacher geworden. Ganz neues Verbraucherverhalten führt zu verändertem Kaufverhalten. Die Medien, sowohl die Print- als auch die noch folgenreicheren elektronischen Medien beeinflussen die Käufer. Mal ist es die Hühnerpest, dann die Massentierhaltung bei Schweinen, dann sind es die Schweinepest und die Batteriehaltung von Geflügel, immer wird der Verbraucher verunsichert. Nahezu eine Katastrophe ist der europaweite BSE-Skandal. Durch die Verfütterung von Tiermehl von kranken Schafen an die Pflanzenfresser-Rinder, so wird vermutet, gelangt der Erreger, der im Verdacht steht, das tödliche Creutzfeld-Jakob-Syndrom auszulösen, in die menschliche Nahrungskette. Aber auch medizinische Gründe, wie die Senkung des Cholesterins zur Risikominderung von koronaren Herzerkrankungen, führen dazu, dass von den Fleischproduzenten fettarme Rassen gezüchtet werden. Diese sind aber scheinbar wieder anfälliger für Stress oder andere Krankheiten und werden deshalb medikamentös begleitet. Oder unseriöse Züchter und Schlachttierproduzenten mischen Wachstumshormone oder Antibiotika unter das Futter, um schnelleren Umsatz zu haben oder um Umsatzverluste durch Krankheiten zu vermeiden. Das führt immer wieder zu Kaufzurückhaltung oder sogar zur Abwendung von einer Ernährung mit Fleisch. Der Jugend- und Schlankheitswahn tut ein Übriges dazu. Wenn auch zur Zeit weltpolitische Themen und die weltweite gesamtwirtschaftliche Krise solche Themen aus den Medien verdrängt haben, irgendwann wird wieder irgend eine „Horror-Sau“ durch die Medien getrieben. Und die seriösen Fleischproduzenten und Verarbeiter werden wieder die Leidtragenden sein.

Dirk Bachmann wird sein Konzept, qualitativ hochwertige Fleisch- und Wurstwaren aus eigener Produktion anzubieten, beibehalten. Das ist eine tägliche Herausforderung. Mit gleichen Rezepten die gleiche, von Kunden erwartete Geschmacksrichtung, und damit eine hohe Qualität Tag für Tag zu liefern, verlangt ein konzentriertes Arbeiten und ein engagiertes Mitarbeiterteam. Eine sachkundige Beratung gehört aber genauso dazu wie die Sorgfalt bei der handwerklichen Herstellung, aber auch bei der kritischen Einkaufspolitik, wenn es um das Schlachtvieh geht. Nur Tiere aus bekannten Ställen und Weiden kommen in die Produktionsräume der Metzgerei Bachmann, die Kunden aus Haagen, den anderen Ortsteilen und aus der ganzen Umgebung von Lörrach zu ihren Stammkunden zählen darf. lm Jahr des Jubiläums verarbeitet die Metzgerei wöchentlich sechs Schweine, einen Bullen und ein halbes Kalb. lm Jubiläumsjahr 2003 beschäftigt Dirk Bachmann in den Metzgereiberufen und im kaufmännischen Bereich insgesamt 11 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Darin enthalten sind auch einige Teilzeit oder Stundenaushilfskräfte.

So wird hier in Haagen eine lange Handwerker-Tradition auch in einer völlig neuen Landschaft erfolgreich und zum Wohl der Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und der Kunden weitergeführt.

Herzlichen Glückwunsch und in dem Fall auch „Guten Appetit“.

 

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